Daneben gegriffen: Die fünf größten PR-Desaster von Unternehmen im Jahr 2010


PR in Krisenzeiten gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, vor denen Kommunikationsabteilungen in Unternehmen stehen. Nicht immer gelingt es, eine Krise durch gute PR ohne Imageschaden zu meistern, in manchen Fällen, machen die Erklärungs- und Kommunikationsversuche sogar alles noch schlimmer. Wir haben hier, zum Ende des Jahres hin, die für uns fünf größten PR-Desaster von Unternehmen in 2010 zusammengestellt:

BP und die Ölkatastrophe

Ohne Zweifel an erster Stelle der PR-Desaster muss wohl in diesem Jahr die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und der Umgang mit ihr von Seiten des verursachenden Konzerns BP stehen. Als wären der Schaden für die Umwelt und der damit einhergehende wirtschaftliche Schaden nicht schlimm genug, so hat BP dank eklatanter PR-Fehler auch noch sein Image übermäßig selbst geschädigt. Manipulierte Fotos, unbedachte Äußerungen des Konzernchefs, gekaufte Suchmaschinenergebnisse – eine Lehrstunde darin, wie Krisen-PR nicht funktioniert.

Linktipp: Chronologie des BP PR-Desaster

Helmut Hoffer von Ankershoffen und das WeTab

Eigenlob stinkt, besagt das alte Sprichwort. Deshalb entschloss sich WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen wohl auch, lieber unter falschem Namen sein eigenes Produkt auf Amazon euphorisch zu bewerten. Der Schwindel flog auf und die Entrüstung im Web war groß. Das Ende vom Lied: Der Macher des iPad-Konkurrenzprodukts legte seinen Posten nieder.

Linktipp: PR-Desaster um WeTab: Ein Eigenlob zu viel

Das Apple iPhone 4 und sein Antennenproblem

Applegeräte sind Kult, technisch ausgereift sind sie aber nicht immer. So machte das iPhone4 vor allem aufgrund seiner Antennenprobleme von sich reden: Abreißende Verbindungen und schlechten Empfang beklagten viele der User. Apple steuerte mit kostenlosen Spezialhüllen für alle Käufer gegen, die das Problem beheben sollten. Doch eines ließ der selbstgefällige Konzern vermissen: ein einziges „sorry“ – selbst bei eingefleischten Apple-Fans ernteten die einstig sympathischen Underdogs damit nur noch Kopfschütteln.

Linktipp: Kommentar: Apples PR-Desaster – wenn ein „Sorry“ schon zu viel ist

Der Denver Clan zu Köln: Die Affäre um Konstantin Neven DuMont

Mit Blog-Kommentaren unter falschem Namen fing im Herbst eine Affäre an, die in vielerlei Hinsicht zum PR-Desaster für den Kölner Verlag DuMont Schauberg wurde. Nicht nur, dass die Familien- und Verlags-Affäre in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurde – der Protagonist und Verlegersohn Konstantin Neven DuMont selbst trat sie auch noch ausgerechnet über ein Konkurrenzblatt des eigenen Hauses, die Kölner Ausgabe der Bildzeitung, breit. Die PR-Reaktion aus dem Verlagshaus ließ zu lange auf sich warten, der Verlegervater äußerte sich erst, als der Sohn ihn bereits öffentlich zum Rückzug aus dem Verlag aufgefordert hatte.

„Zunächst versuchte man es mit Totstellen und Schweigen, dann mit einer politbürohaften Verlautbarung“, urteilt der Medienjournalist Stefan Niggemeier, in dessen Blog die Affäre ihren Anfang nahm, über das PR-Verhalten des Verlags.

Linktipps:

Cyber Monday: PR-Desaster für Amazon

Es sollte eine fantastische PR-Aktion für Amazon werden und einen fulminanten Start in das Weihnachtsgeschäft bedeuten, doch der erste Cyber Monday in Deutschland endete im PR-Desaster. Schon nach wenigen Sekunden waren viele Angebote nicht mehr zu haben, die Server streikten und wütende User amchten ihrem Ärger in Foren und den Bewertungsfeldern des Internetversandhandels Luft. Die reaktion von Amazon: Es seien alle Artikel „in größtmöglicher Anzahl“ bereitgestellt worden. Die Wut der User besänftigt hat das wohl kaum.

Linktipp: Amazon: Schnäppchen-Aktion gerät zum PR-Desaster

2 Kommentare

  1. Schöne Liste, und kann – da subjektiv – natürlich noch fast unendlich fortgesetzt werden. Ich mach mal den Anfang mit meinem beiden persönlichen „Highlights“ auf der nach unten offenen Rankingliste der PR-Katastrophen:

    – das „Chef-Ticket“ der Bahn, erhältlich nur via Facebook. Doch anstatt das günstige Ticket zu erwerben, nutzte man die Seite als Plattform, um seinem eigenen persönlichen Ärger über die Bahn Lust zu machen. Und was tat die?
    Gar nichts. Völlig überfordert sah man dem PR-GAU konzept- und kopflos zu.

    – der Greenpeace-Spot auf YouTube über Nestlés „KitKat“-Schokoriegel, das Palmöl und die armen Orang-Utans. Was tat Nestlé? Liess den Spot sperren – wegen „Copyright-Verletzung“. Doch Nestle vergass, dass das Internet NIE vergisst. Der Clip wurde dutzendfach kopiert – und gewann am Ende sogar einen Preis beim Viral Video Award.

    Und wie geht´s nun weiter?
    Bin gespannt…

  2. Regina Deckart sagt:

    stimmt! Die Bahn darf in dieser Liste natürlich eigentlich nicht fehlen 🙂 Nestlé war auch in der engeren Auswahl….

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