Interview SEO: Vom PageRank-Mythos und anderen Ranking-Faktoren


Sebastian Günther - Experte für SEO und SEM

Sebastian Günther - Experte für SEO und SEM

In der vergangenen Woche hat der Suchmaschinenmarketing-Experte Sebastian Günther hier auf dem Blog in einem Gastbeitrag die Besonderheiten und den aktuellen Stand der Suchmaschinenoptimierung (SEO) erläutert. Nun gibt er in einem Interview Antworten auf weiterführende Fragen zum Thema SEO.

Sebastian Günther ist Autor des BuchesErfolgreiches Onlinemarketing mit Google – Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing verstehen und zielsicher einsetzen“.

marketingshop.de: Viele Unternehmen greifen für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) auf die Dienste einer SEO-Agentur zurück. Leider gibt es in diesem Bereich einige schwarze Schafe. Wie können Unternehmen nachprüfen, ob die SEO-Agentur die Erfolge, die sie meldet, auch wirklich erzielt hat?

Sebastian Günther: Es ist sinnvoll, langfristige Verträge abzuschließen – am besten solche mit Erfolgsbeteiligungen. SEO braucht Zeit. Umso enger Dienstleister und Webseitenbetreiber zusammenarbeiten, desto besser lassen sich gemeinsame Ziele vereinbaren. Die SEO-Agentur hat zumeist wenig Einfluss darauf, ob und wie schnell die abgegebenen Empfehlungen vom Kunden umgesetzt werden und wann die hierfür nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Veränderungen an der Webseite werden in jedem Fall Auswirkungen auf das Ranking und den dadurch resultierenden Traffic haben. Ob ein Dienstleister gute Arbeit geleistet hat, können Sie durch den Einbau von Web-Analyse-Software wie beispielsweise Google Analytics leicht selbst nachvollziehen. Einige SEO-Agenturen bieten ihren Kunden auch Zugang zu den Ergebnissen der jeweils genutzten Search-Analytics-Software.

Unabhängig von einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Dienstleister gibt es bei Auswahl der SEO-Agentur und Zieldefinition einiges zu beachten:

  • Aufgrund der vorige Woche bereits erwähnten Unbekannten ist es quasi nicht möglich, Versprechen zu Ranking-Positionen für relevante Keywords zu geben. Werden dahingehend leichtfertig Versprechen abgegeben, sollten Sie kritisch nachfragen.
  • Manche Agenturen rechnen SEO mit Pauschalpreisen ab. Dies ist maximal bei kleinen und sehr übersichtlichen Websites möglich. Umso größer eine Website ist, umso komplexer ist das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren und die entsprechende Beratung und Umsetzung.
  • SEO-Agenturen, die nach einem Modell „Sie beauftragen uns, wir bieten Ihnen gute Rankings – Mehr müssen Sie nicht machen“ vorgehen, erreichen dies häufig mit Linkbuilding-Kampagnen. In solchen Fällen sollten Sie mögliche sinnvolle OnSite-Optimierungen gezielt nachfragen, anstatt sich nur auf Linkbuilding zu verlassen, denn:
    – Linkbuilding ist lang nicht mehr so einfach, wie noch vor einigen Jahren. Auch ein Webmaster vom Hundeverein Hammerdorf erhält mittlerweile eine spamartige E-Mail-Flut mit Backlinkanfragen.
    – Eine gute Backlinkstruktur aus statischen Links hat im Vergleich zur Summe der OnSite-Signale nicht mehr so viel Einfluss wie noch vor zwei bis drei Jahren.
    – Google ist hier „sehr wachsam“ geworden und bewertet Links sehr individuell. Linkbuilding nach Gießkannenprinzip funktioniert nicht mehr und birgt hohe Risiken einer Abstrafung.
    – Die durch einen guten Backlink gebotenen SEO-Potenziale werden bei schlechter OnSite-Optimierung nur zu geringen Teilen genutzt.
  • Einige SEO-Agenturen versprechen schnelle und einfache Erfolge, die sie unter Umständen zunächst auch erzielen, möchten aber ihre Methoden nicht offenlegen. Black- und Grey-Hat-Methoden funktionieren meist nur für einige Zeit. Dass Google solche Methoden irgendwann erkennt, ist in den meisten Fällen unvermeidlich. In einer Marktsituation, in der 80-90 Prozent des Traffics vieler Seiten von Google abhängen, riskiert man besser nicht, damit zu spielen. Lassen Sie sich garantieren, dass die vorgeschlagenen Methoden der Optimierung entsprechend der Google-Richtlinien erfolgt.
  • Nicht zuletzt: Definieren Sie gemeinsame SEO-Ziele und bleiben Sie realistisch.

Bei Cocomore steht am Anfang einer jeden Optimierung eine ergebnisoffene tiefgehende Analyse der Websites, und der bereits vorhandenen Backlink-Struktur. Im Zuge eines gründlichen Audits erarbeiten wir die Konzeption für konkrete Maßnahmen. Art und Umfang der Maßnahmen sind nicht abhängig vom jeweiligen Budget und den erwarteten Zielen, und vor allem für jeden Webauftritt individuell festzulegen. Die Entscheidung, wie wir im Einzelfall vorgehen, definieren wir gemeinsam mit unseren Kunden in Workshops. Erst dann machen wir uns – sehr zielgerichtet – an die Arbeit der eigentlichen Optimierung.

marketingshop.de: Google taucht schon im Titel Ihres Buches auf. Lohnt sich SEO für andere Suchmaschinen überhaupt?

Sebastian Günther: „Ja“ und „Nein“. Momentan und auf absehbare Zeit besitzt Google ein Quasi-Monopol im deutschen Suchmarkt. Es lohnt kaum, sich Gedanken darum zu machen, wie die organische Position einer Seite in anderen Suchmaschinen verbessert werden kann.

Suchmaschinen arbeiten alle nach ähnlichen Kriterien und mit demselben Ziel: Dem Nutzer die – vermeintlich – bestmöglichen Websites aufgrund der (meist ein bis drei) Worte zu präsentieren, die im Suchfeld eingegeben wurden.

SEO, die für eine Suchmaschine geeignet ist, wird sich in den allermeisten Fällen ähnlich positiv auf andere Suchmaschinen auswirken. In den wenigen Bereichen, wo deutliche Unterschiede in den Ranking-Algorithmen nachgewiesen werden konnten, ist die Entscheidung, auf welche Suchmaschine optimiert werden soll, klar: Bei 95% Marktanteil fällt sie für Google.

Im Bereich Werbung auf Suchergebnisseiten sieht die Sache etwas anders aus. Parallel zu AdWords kann hier Werbung auf Bing geschalten werden. Der entstehende Arbeitsaufwand rentiert sich allerdings nur bei mittleren bis hohen Budgets.

marketingshop.de: Der große SEO-Mythos von Google ist der Page Rank. Können Sie ganz kurz erklären, was dahinter steckt?

Sebastian Günther: PageRank ist ein Algorithmus, um die Relevanz einer Website im Vergleich zu anderen Seiten zu bewerten. Die zugrunden liegende Idee ist: Je mehr Links auf eine einzelne Website zeigen, desto relevanter ist diese im Vergleich zu anderen Websites. Ein Link von einer Webseite, die selbst viele eingehende Links besitzt, ist demnach stärker, als ein Link von einer Website mit einer schwachen Backlinkstruktur.

Der „Mythos“ um den PageRank und seine Bekanntheit und haben mehrere Ursachen:

  1. Das PageRank-Modell existiert seit 1997 und begründet den Erfolg von Google. Die bessere Qualität der Suchergebnisse von Google durch das Berücksichtigen von „Empfehlungen“ durch Backlinks war damals revolutionär.
  2. Google zeigt den ungefähren PageRank einer jeden Seite als grünen Balken in der Google Toolbar des Browsers an („Toolbar Page Rank“). Über lange Jahre hat sich der dargestellte PageRank-Wert zumindest grob als einfache Standardkennzahl für die Qualität einer Webseite und deren Bedeutung als möglicher Linkgeber etabliert.

marketingshop.de: Die Relevanz des Page Rank für die tatsächliche Listung in den Suchergebnissen wird in SEO-Kreisen immer wieder und zunehmend angezweifelt. Wie sehen Sie seine Bedeutung?

Sebastian Günther: Der PageRank-Algorithmus ist immer noch Teil des Google Algorithmus. Das Modell wurde vor nunmehr 13 Jahren entwickelt. Seitdem wurden viele weitere Kriterien für die Bewertung einer Website in den Algorithmus integriert.

  • Im Bereich OffSite (Backlinks) SEO sind dies beispielsweise die Bewertung auf Basis von „Trust“, die Analyse von Ankertexten und deren prozentuale Verteilung sowie die Geschwindigkeit des Linkaufbaus und die Themenrelevanz zwischen den Domains.
  • OnSite-SEO-Faktoren haben besonders in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die Relevanz von Backlinks wurde somit generell geschwächt.

Wenn vom „PageRank“ gesprochen wird, ist allerdings in den allermeisten Fällen der kleine grüne „Toolbar PageRank“-Balken gemeint. Folgende Beispiele zeigen diesen Wert im Vergleich zu anderen Kennzahlen aus der Sistrix Toolbar:

  • Die Website (www.onlinemarketing-buch.de) mit wenigen rankenden Keywords und Backlinks von nur 24 anderen Domains hat aktuell einen Toolbar-PageRank von 4.
  • Das große deutsche Frauenportal (www.ellviva.de) mit mehreren 10.000 Seiten und über 1.600 Backlinks von etwa 450 Domains hat im Moment ebenfalls einen angezeigten PageRank von 4.
  • Der Onlineshop (www.brautkleid-brautkleider.net) besitzt laut Sistrix etwa 2000 Backlinks von 800 Domains und hat einen PageRank von 0. Nichtsdestotrotz rankt der Shop für die beiden Begriffe „Brautkleid“ und „Brautkleider“ auf Position  1 bis 2 bei Google. Von den 80.000 monatlichen Suchanfragen für diese Keywords dürften schätzungsweise 30.000 Klicks generiert werden.

Google „spielt“ mittlerweile stark mit den angezeigten Werten und verändert diese (scheinbar) beliebig. Teilweise entsteht der Eindruck, dass der PageRank als eine Art Kommunikation des „Trust-Kriterium von Google“ genutzt wird. Viele große Websites haben weiterhin hohe PRs.

Häufig ist festzustellen, dass der angezeigte PageRank von Websites von Google auf null gestellt wird, dies jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Sichtbarkeit bzw. den Traffic dieser Seiten über Google hat.

Fazit: Es wird deutlich, dass der angezeigte PageRank als SEO-Kennzahl (mittlerweile) irrelevant ist. Durch den Einsatz moderner Search Analytics Software kann heute außerdem auf eine Vielzahl wesentlich relevanterer SEO-Kennzahlen zugegriffen werden. Eine sehr gute und kostengünstige Empfehlung für entsprechende Analyse-Software sind die Link Research Tools.

4 Kommentare

  1. Dirk sagt:

    Ein sehr interessantes Interview. Mal schauen, ob der Pagerank überhaupt im nächsten Jahr noch existiert… Das Onlinemarketing-Buch von Sebastian Günther kann ich übrigens jedem, der sich mit dem Thema näher beschäftigen möchte, nur wärmstens empfehlen.

  2. Petra sagt:

    Schade, dass das Alles bei Google so unübersichtlich ist. Wenn sie schon PR eingeführt haben, sollte er zumindest mit der Wert von Seiten übereinstimmen und bei der Einschätzung von anderen Seiten auch helfen, so soll das doch funktionieren, oder?

  3. Rike sagt:

    Ich bin gespannt, was im nächsten Jahr aus dem PageRank wird. Dass Google ganz auf ihn verzichtet, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Technisch wäre das sicherlich möglich, aber dazu war die Idee ursprünglich einfach zu gut und zu revolutionär.

  4. Harald Weber sagt:

    Auch ich kann für meine Seite nur feststellen, dass der PR runterging und die Zugriffe signifikant gestiegen sind. Insofern habe ich beschlossen, die Aktivitäten für PR-Pushing zurückzufahren und andere Instrumente zu nutzen.

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