Interview: Social Media Marketing ist mehr als ein Trend


Sten Franke

Social Media Marketing Experte Sten Franke

Fanpages auf Facebook, Unternehmensblogs, Twitter Accounts: Social Media Marketing ist einer der ganz großen Trends im Marketing und kommt immer mehr im Marketing-Alltag der meisten deutschen Unternehmen an.  Ob und wie Social Media für Unternehmen jeder Größe Chancen bieten, worauf jeder Social Media Marketer achten sollte und wo die Reise hingeht, das verrät Sten Franke, Managing Director des Social Media Spezialisten ethority, dem marketingshop blog im Interview.

marketingshop.de: Social Media ist eines der bestimmenden Themen im Marketing-Diskurs, aber auch in den traditionellen Medien – allerorten wird von, aus und über Xing, Facebook und Co geschrieben. Dennoch hat eine im März veröffentlichte Studie von TNS Infratest ermittelt, dass 35 Prozent der Deutschen zu den „digitalen Außenseitern“ zählen. Wie passt das zusammen?

Sten Franke: Fakt ist, Marketing-Budgets werden aktuellen Umfragen zufolge weiter in Online-Richtung bzw. Social Media verschoben, um auch die Gruppen anzusprechen, die mit traditioneller Werbung nicht mehr erreicht werden können. Die Ergebnisse der TNS-Studie belegen zwar, dass 35 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 62,4 Jahren zur Gruppe der „Digitalen Außenseiter“  gehören sollen.  Wir erleben aber auch oft im eigenen Familienkreis oder bei Bekannten, dass für diese Gruppen z.B. über ihre Kinder sekundär Informationen aus dem Internet z.B. für Kaufentscheidungen, Reiseplanungen, etc.  herangezogen werden.  Also, irgendwie sind wir alle schon „drin“.

Ich sehe hier keine Spaltung in der Gesellschaft. Im Gegenteil, der stetige Anstieg der Nutzerzahlen von Social Media zeigt auf, dass hier gerade auch ältere Gruppen zu den Treibern gehören und einen großen Teil zu diesem Wachstum beitragen.

marketingshop.de: Wie sieht es auf der anderen Seite, in der Marketing-Welt, aus? Ist das Thema Social Media hier noch Trend oder inzwischen im Alltag angekommen?

Sten Franke: Glücklicherweise ist das Thema Social Media bei mehr als 30 Prozent der Unternehmen schon auf Vorstandsebene und damit in einem sehr nachhaltigen Rahmen angekommen. Aufgrund dieser Entwicklungen wurden wir schon mehrfach mit der Konzeptionierung einer Social Media Strategie für das gesamte Unternehmen beauftragt und verzeichnen hierfür auch eine stetig steigende Nachfrage. Für Unternehmen, die bislang noch nicht aktiv geworden sind, empfehlen wir immer ein Monitoring um eine so genannte Nullmessung durchzuführen. Die Ergebnisse aus der Analyse zeigen, ob, wo und wie das Unternehmen am Sinnvollsten und Effektivsten den Einstieg in Social Media macht. Für Unternehmen, die bereits Plattformen besetzen, erstellen wir ein Audit der vorhandenen Tools und Ressourcen, um die Social Media Aktivitäten z.B. hinsichtlich Kommunikation oder Neukundengewinnung zu optimieren und zeigen, wie sie das vorhandene Potenzial optimieren und voll ausnutzen. Insgesamt kann man also sagen, dass es mehr als ein Trend ist, hier passiert derzeit schon einiges, aber im Vergleich zu anderen Märkten, wie Nordamerika oder Asien, hinkt der deutsche Markt doch noch etwas hinterher.

marketingshop.de:  Gibt es einen Trend, ein Tool, eine Herangehensweise im Social Media Marketing, womit sich jedes Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten beschäftigen sollte?

Sten Franke:  Man kann beobachten, dass sehr häufig  noch nach der „Trial and Error“ Methode verfahren wird, was in einem Kontext nicht vorhandener Erfahrungen und geringer Budgets teilweise kaum anders geht. Dennoch appelliere ich an alle Entscheider hier auf das KnowHow von internen/externen Experten zu setzen. Denn weder die verwaiste Fanpage in einem Social Network noch der vor sich hin dümpelnde Twitter-Account sind ein gutes Aushängeschild und laden den Kunden zum Dialog ein. Hier sind tagtägliches persönliches Engagement und Beziehungspflege notwendig. Das minimalste Engagement sollte also eine kontinuierliche Social Media Channel Betreuung umfassen, wobei jedoch vorab analysiert werden sollte, welche Channels hier für das jeweilige Kommunikationsziel relevant sind.

Um dann den Erfolg von Social Media Marketing Aktivitäten oder Kampagnen gerade auch im Vergleich zum  Branchen-/Wettbewerbsumfeld zu messen, arbeiten wir mit den von ethority entwickelten „Social Media Scorecards“ und „Industrie Benchmarks“, die den Erfolg und die Wirksamkeit von Kampagnen, aber auch der dauerhaften Unternehmenspräsenzen ganzheitlich erfassen, somit Handlungsempfehlungen zulassen und die Effizienz des Engagement steigern.

marketingshop.de:  Schafft Social Media eine Marketing-Demokratie oder haben auch hier am Ende die großen Player die Nase vorne, weil sie sich ganze Abteilungen nur zu diesem Zweck leisten können?

Sten Franke:  Hier ist tatsächlich eine Demokratisierung im Gange, denn selbst mein Friseur mit seinem sicherlich sehr geringen Marketing-Budget erhält über seine Facebook Fanpage tagtäglich neue Kunden.

Jedoch gerade bei Produktneueinführungen oder Marketing-Aktiviten in einem hoch kompetitivem Umfeld wie beispielsweise Telekommunikation, Automobil oder Finanzdienstleister wird man mit einem niedrigen jährlichen sechsstelligen Social Media Marketing Budget kaum herausstechen. Etablierte Social Media Abteilungen innerhalb der Unternehmen gibt es meines Wissens in Deutschland noch nicht, jedoch wird das die Zukunft sein.

marketingshop.de:  Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft: Wie sieht Social Media in zehn Jahren aus?

Sten Franke:  Lach, wenn ich das wüsste, dann hätte ich auch den Erfolg von Google vorausgesehen und würde sicherlich von den Dividenden-Ausschüttungen meiner Google-Aktien leben können. Nein mal im Ernst, Es wird sicherlich weitere, neue Social Media Plattformen geben, die sich bis dahin etabliert haben, gerade auch für spezielle und kleinere Zielgruppen. Location Based Services wie Foursquare oder Gowalla werden stärker in den Alltag integriert werden und Social Media werdenvorrangig über mobile Endgeräte genutzt werden. Das iPad zeigt uns ja bereits heute, wie gute Usability aussehen kann und auch von Anwendern ohne großartige Computerkentnisse, z.B der Gruppe 60+, genutzt werden kann.

2 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Hallo,

    sehr schöner Beitrag. Gefällt mir super!! Habe mit diesem Artikel einen schönen Link gefunden, den ich in meinen neuen Beitrag einbauen kann.
    Zwar beschäftigen sich derzeit alle zugleich mit dem Thema Social Media, aber gute Beiträge, die genau zu meinem Artikel passen, habe ich bisher nicht gefunden.

    Der letzte Absatz enthält auch ein sehr schönes Denken! Die weitverbreitete Meinung über Social Media ist die, dass man davon ausgeht, dass die (jungen) Leute davon betroffen sind. Vergessen werden dabei aber stets die „Silver Surfer“, die die das Internet gerade erst entdecken. Social Media sind ja nicht nur Youtube oder Facebook, sondern auch Foren und Blogs, eben die Anlaufstellen, die Informationen und Meinungen vermitteln, nach denen viele Kunden suchen, bevor sie eine Kaufentscheidung fällen.

    Liebe Grüße
    Patrick

  2. Regina Deckart sagt:

    Hallo Patrick,
    vielen Dank für das positive Feedback. Ich würde mich über einen Link zum erwähnten Beitrag in Ihrem Blog freuen!
    Viele Grüße
    Regina Deckart

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