Interview Social Media Marketing: Soziale Netzwerke sind kein Allheilmittel für alle Unternehmen


Social Media Marketing Experte Frank Bärmann

Social Media Marketing Experte Frank Bärmann

Soziale Netzwerke bestimmen neben der mobilen Internetnutzung sämtliche Trend-Prognosen im Online Marketing. Ob Facebook oder Twitter, der Hype rund um die angesagteste Art der Kommunikation ist groß. Viele Unternehmen wollen sich das nicht entgehen lassen und stürzen sich förmlich auf Soziale Netzwerke und ihre Marketing Möglichkeiten. Aber bringt es das wirklich? Wir haben mit Social Media Marketing Experte Frank Bärmann gesprochen, um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Und zwar eine Antwort, die Unternehmen und Freiberuflern wirklich weiterhilft bei der Entscheidung im Marketing: Soziale Netzwerke – ja oder nein?

marketingshop.de: Soziale Netzwerke und das Marketing darin liegen ohne Frage im Trend. Aber ist es wirklich für alle Unternehmen sinnvoll?

Frank Bärmann: Social Media Marketing ist nicht für alle Unternehmen sinnvoll, wer sowas behauptet, ist einfach unseriös. Man muss sehr gut schauen, ob Soziale Netzwerke zum Unternehmen und zu den Kunden passen. Beispielsweise haben Unternehmen aus traditionell konservativen Branchen, aus Branchen, in denen Kontakte ausschließlich auf Messen, über Kataloge oder über Empfehlungen geknüpft werden, keine Chance in der Social Media Welt.

Auch Unternehmen, die bisher nicht oder kaum im Internet aktiv waren, haben kaum Chancen, jetzt über Soziale Netzwerke erfolgreich zu sein. Man müsste die Kunden ja erst dazu bewegen, online zu gehen, dann überzeugen, zum Beispiel ein Twitter Konto anzulegen, um sie zu erreichen. Das ist so gut wie ausgeschlossen. Social Media Marketing könnte sich für all diejenigen Unternehmen lohnen, die bereits vorher aktiv im Web unterwegs sind, im Idealfall bereits E-Commerce betreiben und einen Web-Shop haben. In den meisten Fällen sollen Soziale Netzwerke im Marketing die Besucher ja auf die Firmenwebseite leiten, wo sie dann bedient werden.

marketingshop.de: Welche Voraussetzungen sollte ein Unternehmen erfüllen, damit es Soziale Netzwerke im Marketing gewinnbringend einsetzen kann?

Frank Bärmann: Wie gesagt, ideal wäre es, wenn das Unternehmen bereits im E-Commerce tätig ist und über das Internet konkrete Produkte und Dienstleistungen anbietet. Aber auch Unternehmen, die zumindest einen Internet-affinen Kundenkreis haben, der also beispielsweise per E-Mail oder E-Newsletter informiert wird, haben gute Chancen, über Soziale Netzwerke erfolgreich Marketing zu betreiben. Zudem muss die Öffentlichkeit groß genug sein. Soziale Netzwerke richten sich an die Öffentlichkeit. Der Begriff „Öffentlichkeit“ kann aber beliebig weit gefasst werden. Für einen Spezialanbieter von Werkzeugen oder Maschinen kann seine Öffentlichkeit auch nur 20 Personen oder Unternehmen groß sein. Hier lohnen sich keine Aktivitäten über Soziale Netzwerke. Wenn man aber neue Kunden in der großen Öffentlichkeit der gesamten Maschinenbaubranche – um beim Beispiel zu bleiben – sucht, kann es sich lohnen.

Fazit: Es sind immer sehr viele Vorüberlegungen und Entscheidungen zu treffen, bevor man sich in die Soziale Netzwerke Welt begibt.

marketingshop.de: Wie viele Kanäle oder Soziale Netzwerke sollte man für eine Social Media Strategie kombinieren und was sind die Kriterien für die Auswahl?

Frank Bärmann: Zunächst gilt hier: je mehr, desto besser. Social Media funktioniert über Netzwerke und Kontakte. Netzwerke meint sowohl persönliche Netzwerke als auch technische, also Verlinkungen.  Die heutigen Social Media Kanäle und Plattformen bieten fast alle Schnittstellen zu anderen Kanälen: Aus dem Weblog zu Twitter, Facebook und XING, aus Facebook zu Twitter und umgekehrt, aus XING zu Twitter, aus Flickr zu Twitter etc. Je mehr Kanäle man bedienen kann, desto mehr Aufmerksamkeit erlangt man und desto mehr „Fans“ – um in der Facebook-Sprache zu bleiben – fängt man ein. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Arbeit auch fast exponentiell ansteigt, wenn man viele Soziale Netzwerke einsetzt.

Deshalb schlage ich meinen Kunden eine Schritt-für-Schritt Strategie vor, bei der in den meisten Fällen das Corporate Weblog die Schaltzentrale bildet. Mit Einträgen aus dem Blog kann man Twitter füttern, und muss weniger weitere Beiträge dort einstellen. Die Blog-Einträge lassen sich auch leicht ins Facebook Profil importieren, ebenso die Twitter Einträge. Damit hat man den Grundstein gelegt. Natürlich muss dann die persönliche Note rein, denn nur hin und her im- und exportieren in Soziale Netzwerke ist langweilig, bietet dem Leser keinen Mehrwert und schreckt irgendwann ab.

marketingshop.de: Soziale Netzwerke, die neu im Trend liegen sind die location based services wie foursquare, in denen Nutzer ihren jeweils aktuellen Standort eingeben und sich darüber mit der Community austauschen können. Wo liegen hier die Marketing Möglichkeiten?

Frank Bärmann: Diese neuen location based services profitieren von dem aktuellen Hype der Smartphones und des mobilen Internets. Durch die Möglichkeit, sich mobil zu vernetzen, wird der Web 2.0 Geist noch aktiver. Für Unternehmen – im Fall von foursquare sind es vor allem Gastronomie-Betriebe, Hotels und andere Orte, an denen man sich treffen kann – bedeutet diese Anwendung eine weitere Chance, über Soziale Netzwerke bekannt zu werden.

Empfiehlt ein Foursquare-User einen Ort oder lädt er dort zum Treffen ein, so klingelt für den Besitzer die Kasse. In den USA werden besondere Foursquare-User, die in der Fangemeinde einen besonderen Status haben, sogar besonders umworben. Sie sind zu echten Multiplikatoren geworden. Damit haben Soziale Netzwerke wie diese, wie auch die ganzen Empfehlungsportale wie Qype oder holidaycheck, die Macht, ein Unternehmen echt zu pushen. Marketing Aktionen sehe ich zurzeit nur in der Möglichkeit, erstens dafür zu sorgen, dass man auf den Plattformen vertreten ist und zweitens die Multiplikatoren auf seine Seite zu ziehen. Ob Werbung in diesen Portalen möglich ist, wage ich zu bezweifeln, da Soziale Netzwerke fast immer allergisch auf Werbung reagieren.

marketingshop.de: Ein nicht mehr ganz so neuer, aber im Bereich Soziale Netzwerke immer noch viel diskutierter Trend ist Twitter. Wo sehen Sie seinen Platz im Online Marketing?

Frank Bärmann: Twitter ist zwar einerseits ein Hype, andererseits steckt es zumindest in Deutschland immer noch in den Kinderschuhen, was die Unternehmensverwendung im Marketing betrifft. Immer mehr Unternehmen testen es aber oder erwägen zumindest einen Einstieg. Wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind, kann Twitter viel leisten für die Unternehmenskommunikation.

Twitter ist ein Kanal mit hoher Reichweite, der Informationen in Echtzeit transportieren kann, der die Kunden enger an das Unternehmen binden kann und der, wie andere Soziale Netzwerke, eine Community um das Unternehmen aufzubauen vermag.  Twitter wird meines Erachtens neben dem klassischen Online Marketing (E-Mail Marketing,  Newsletter, Bannerwerbung) bestehen. Für mich ist es ein wichtiges und ernstzunehmendes Marketinginstrument.

Lesen Sie mehr von Frank Bärmann in seinem Expertenbeitrag zum Thema Twitter Marketing im Bereich Online Marketing des “Erfolgsratgeber Neukundengewinnung

1 Kommentar

  1. Pitze sagt:

    „Beispielsweise haben Unternehmen aus traditionell konservativen Branchen, aus Branchen, in denen Kontakte ausschließlich auf Messen, über Kataloge oder über Empfehlungen geknüpft werden, keine Chance in der Social Media Welt.“

    Das sehe ich anders, da diese Umschreibung schon einen Großteil der B2B-Unternehmen umfasst und gerade hier lässt sich die geschätzte und wertvolle „Weiterempfehlung von Kollegen“ wunderbar ins Social Web transferieren.

    Zunächst gilt hier: je mehr, desto besser.

    Das erachte ich als noch viel schlimmer…ein Unternehmen, welches einen Einstieg in Social Media (Networks, Microblogging, Expertenforen etc, Blogs,) suchen, sollten sich im Gegenteil erst einmal auf ein Portal oder ihren eigenen Blog konzentrieren, da ansonsten die Möglichkeit besteht, den Überblick zu verlieren, nicht mehr aktuell auf Reaktionen oder Aktionen der Community zu agieren oder der Zeitaufwand und somit die Kosten drohen ins unermessliche zu steigen (je nach Unternehmensgröße).

    Insgesamt ist es fast für alle Unternehmen interssant zu wissen, was im Web über die Marke oder über Themen rund um ihr Produkt gesprochen wird. Und das passiert nunmal im Social web. Zählt man nun das Monitoring zu einem Instrument des SMM ist dies somit für nahezu alle Unternehmen relevant.

    Das wichtigste ist jedoch die Ressourcen immer genau einzuschätzen und sich den bekannten Regeln (Nachhaltigkeit, Ernsthaftigkeit etc.) bewusst zu sein.

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