Interview: Tipps und Trends im Email Marketing


Nico Zorn

Email Marketing Experte Nico Zorn

Hat die Email in Zeiten sozialer Netzwerke noch Zukunft? Skeptiker gehen schon seit längerem davon aus, dass die Email und damit das Email Marketing ihre besten Zeiten hinter sich haben. Doch aktuelle Zahlen widerlegen alle Unkenrufe. Ein Einfluss der neuen Entwicklungen im Online Marketing auf die Email ist aber nicht zu leugnen. Wir haben uns mit dem Email Marketing Experte Nico Zorn darüber unterhalten, wie sich das Email Marketing in der nahen Zukunft entwickeln wird.

marketingshop.de: Mit dem Erfolg sozialer Netzwerke haben einige Beobachter bereits das Ende der Email vorausgesagt. Der Klassiker der Online Kommunikation hält sich aber nach wie vor erstaunlich gut. Was hält die Email für das Online Marketing und für Verbraucher so attraktiv?

Nico Zorn: Das Email Marketing wurde in der Tat schon häufig für tot erklärt – dabei ist es nach wie vor ein sehr effektives Online Marketing Instrument. Laut der Direct Marketing Association konnte 2009 für jeden Dollar, der in das Email Marketing investiert wurde, ein Return on Investment von sagenhaften 43 Dollar erzielt werden.

Dafür gibt es zahlreiche Gründe. So ist Email Marketing beispielsweise ein kostengünstiges Instrument, gleichzeitig kann es sehr zielgerichtet eingesetzt werden. Richtig umgesetzt, erhalten Kunden und Interessenten relevante Angebote zum passenden Zeitpunkt. Aus diesem Grund sind (gute) Newsletter und Mailings auch bei Verbrauchern beliebt und werden nicht als Werbung, sondern vielmehr als Service verstanden.

marketingshop.de: Auch wenn neue Online Marketing-Trends dem Erfolg der Email offensichtlich nicht viel anhaben können, beeinflussen werden sie sie dennoch. Wo geht die Reise hin, was sind die aktuellen Trends im Email Marketing?

Nico Zorn: Eine wichtige Frage ist sicherlich welche Möglichkeiten und Potentiale die Kombination von Email Marketing und Social Media Marketing  bietet. So können beispielsweise die Social Media Präsenzen auf Facebook, Twitter und Co. mit gezielten Email Kampagnen gestärkt werden. Darüber hinaus können „Share with your network“-Links in Email Marketing Kampagnen integriert werden. Die Empfänger können mit diesen Links den Inhalt der Email mit ihren Kontakten auf Facebook, Xing und Co. teilen. Allerdings: Voraussetzung dafür sind wirklich interessante und relevante Inhalte, denn reine Werbung wird natürlich niemand mit seinen Freunden teilen.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die Integration von Videos im Email Marketing. Die direkte Auslieferung von Videos in Emails ist zwar technisch nicht möglich, Marketer haben sich jedoch einige Workarounds einfallen lassen, um dennoch Videos im Email Marketing einzusetzen.

Mit einem so genannten „Fake Player“ kann man die Klickrate von Kampagnen trotz der aktuell vorhandenen technischen Einschränkungen erhöhen. Dabei wird ein Standbild des Videos inklusive der Bedienelemente (Playbutton, Lautstärkeregler etc.) des Videoplayers als Grafik in die Email integriert.

Für den Empfänger entsteht so der Eindruck, als könne er sich das Video direkt in der Mail anschauen. Tatsächlich öffnet sich nach einem Klick auf das Video das Browserfenster mit einer Website, auf der das eigentliche Video eingebunden ist und betrachtet werden kann.

Mit einem zusätzlichen Trick kann in dem Fake Player sogar Bewegtbild angezeigt werden: Hierfür wird das Video in eine animierte Gif-Grafik umgewandelt, die von allen gängigen Email-Programmen angezeigt wird. Eine Ausnahme bildet lediglich Microsoft Outlook 2007, das anstatt der Animation lediglich das erste Bild der Sequenz anzeigt.

marketingshop.de: Welche Maßnahmen innerhalb dieser Trends im Email Marketing sind auch für kleine Unternehmen sinnvoll und zielführend?

Nico Zorn: Pauschal lässt sich diese Frage kaum beantworten, da sie sehr von den Zielen und der Zielgruppe des jeweiligen Unternehmens abhängt. Vor der Integration von „Share to Social“-Links sollte ich mich beispielsweise fragen, ob der Inhalt der Email überhaupt einen „viralen Charakter“ aufweist, d.h. ob er beispielsweise besonders interessant oder humorvoll ist. Sofern das nicht der Fall ist, werden die Links kaum genutzt und ich kann den Platz in der Email stattdessen anderweitig nutzen.

Fake-Player und Animationen hingegen sind in den meisten Email Marketing Kampagnen sinnvoll, zumal diese Techniken bislang noch relativ selten eingesetzt werden – der Überraschungseffekt ist also zur Zeit noch vergleichsweise groß.

marketingshop.de: Spam ist nach wie vor ein großes Problem für das Email-Marketig ebenso wie für Verbraucher. Wie können sich Unternehmen davor schützen, dass ihre seriösen Emails in Spamordnern landen?

Nico Zorn: Leider kann man nicht vollständig ausschließen, dass auch erwünschte Newsletter und Mailings fälschlicherweise von Spamfiltern aussortiert werden („False Positives“). Vor dem Versand kann und sollte man jedoch einige Aspekte beachten, um diese Gefahr zu reduzieren. Der wichtigste Aspekt ist dabei die Auswahl eines seriösen und professionellen Email Marketing Dienstleisters, der sich nicht nur um den Versand, sondern auch um die reibungslose Zustellung der Emails kümmert.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, den Abmeldevorgang so einfach wie möglich zu gestalten. Empfänger, die sich von einem Newsletter nicht abmelden können (beispielsweise weil sie den Abmeldelink nicht finden oder vor der Abmeldung ein Passwort eingeben müssen), klicken schnell auf den „Spam“-Button ihres Webmail-Dienstes.  Diese Klicks können dazu führen, dass künftige Newsletter auch bei allen anderen Empfängern des jeweiligen Dienstes gefiltert werden.

marketingshop.de: Ist hier auf technischem oder juristischem Wege Besserung für das Email Marketing in Sicht?

Nico Zorn: Ich befürchte, dass hier keine wirkliche Besserung in Sicht ist. Es gibt einige sinnvolle Whitelisting-Projekte, wie beispielsweise die Certified Senders Alliance. Die Teilnahme an diesen Projekten kann die Zustellungsquote verbessern, allerdings lässt sich auf auf diesem Weg das Problem nicht vollständig lösen. Spam wird sicherlich ein Problem bleiben und damit werden auch die „False Positives“ eine Herausforderung für das Email Marketing bleiben.

Lesen Sie mehr von Nico Zorn in seinem Expertenbeitrag zum Thema Email Marketing im “Erfolgsratgeber Neukundengewinnung

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