Online Reputation: Was darf über wen geschrieben werden?


Mit Veröffentlichungen über die eigene Person mussten sich vor den Zeiten von Web 2.0 und Online Reputation vor allem Promis, Politiker und in kleinem Rahmen Lokalgrößen auseinandersetzen. Heute hat sich dies grundlegend gewandelt: Jeder kann über jeden schreiben und mit einem Klick seine Meinung oder Sicht der Dinge veröffentlichen. Damit kann jeder die Online Reputation dessen, über den er schreibt, direkt beeinflussen, positiv wie negativ.

Immer mehr Menschen, die auf diese Weise in Texten anderer im Web auftauchen und ihre Online Reputation in Gefahr sehen, müssen sich ganz neu die Frage stellen: Darf der Autor das überhaupt so veröffentlichen? Hier deshalb ein kurzer Überblick über für das Online Reputation Management wichtige Prämissen des Presserechts zur textlichen Berichterstattung – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder juristischen Rat.

Die Basis: Artikel 5 des Grundgesetzes

Rechtliche Grundlage für die öffentliche Berichterstattung ist in Deutschland immer Artikel 5 des Grundgesetzes:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Doch dies bedeutet nicht, dass alles veröffentlicht werden darf. So heißt es weiter:

„Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Die „persönliche Ehre“, die Persönlichkeitsrechte dessen, über den geschrieben wird, stehen der freien Meinungsäußerung also entgegen. Wann diese Persönlichkeitsrechte verletzt werden, ist im Detail immer eine Einzelfallentscheidung – nicht umsonst beschäftigen sich die Gerichte laufend mit Klagen gegen Veröffentlichungen. Einige allgemeine Anhaltspunkte gitb es aber doch, die sowohl Autoren als auch denen, über die berichtet wird, helfen können, einzuschätzen, was erlaubt ist und was nicht. Wer ein Auge auf seine Online Reputation hat, kann sich daran orientieren.

Der Unterschied zwischen Meinung und Tatsachenbericht

Grundsätzlich muss man bei veröffentlichten Texten immer zwischen Meinung und Tatsachenbericht unterscheiden.

Tatsachen müssen richtig und nachweisbar sein: Wer in einem veröffentlichten Text etwas als Tatsache behauptet, der muss auch nachweisen und mit Quellen belegen können, wie er zu der Erkenntnis gekommen ist, dass es sich dabei um eine Tatsache handelt. Das heißt aber natürlich nicht, dass alles immer zu 100 Prozent wahr ist, was geschrieben wird, schließlich können sich auch Quellen oder Wissenschaftler irren.

Wirklich problematisch werden Tatsachenbehauptungen, wenn sie nicht nachweisbar oder sogar absichtlich unwahr sind. Dies wird dann als üble Nachrede bzw. Verleumdung bezeichnet. Gegen beides lässt sich auch im Internet im Sinne der Online Reputation vorgehen.

Meinung darf keine Beleidigung sein: Auch die Meinungsäußerung hat ihre Grenzen. Zum einen muss klar sein, dass es sich dabei um die Einzelmeinung des Verfassers handelt, Meinungsäußerungen dürfen also nicht als Tatsachenbehauptung getarnt sein.

Zum anderen müssen sie sich in Grenzen halten: Beleidigungen, Beschimpfungen und Schmähkritik bewegen sich außerhalb dessen, was als Meinung akzeptabel ist. Wer seine Online Reputation in diesem Sinne in Gefahr sieht, kann und sollte dagegen vorgehen.

Die Unterscheidung zwischen öffentlicher Person und Privatperson

Neben den Aussagen an sich, die über eine Person oder einen Vorgang getroffen werden, spielt auch eine Rolle, über wen sie geäußert werden: Eine Privatperson muss im Sinne ihrer Online Reputation weit weniger an veröffentlichter Fremdmeinung akzeptieren als etwa ein Politiker, der in seinem öffentlichen Amt kritisiert wird.

Generell gilt: Je größer das öffentliche Interesse an der Berichterstattung ist und je weniger diese in die Privat- oder gar Intimsphäre der betroffenen Person eindringt, desto mehr darf berichtet und auch kritisiert werden.

Linktipps:

2 Kommentare

  1. fschuetz sagt:

    Zur Unterscheidung zwischen öffentlicher Person und Privatperson hat der gute Stefan Raab eine ganz spannende Position:

    http://blog.yasni.de/business/stefan-raab-und-das-mettbroetchen/

    😉

  2. Rainer Meyer sagt:

    Vielen Dank für den sehr guten Beitrag, vor allem die Hauptpunkte 1. und 2.

    Zum dritten Punkt „Die Unterscheidung zwischen öffentlicher Person und Privatperson“ ist allerdings anzumerken, das hier das Web 2.0 (das Internet zum Mitmachen) eine Trendwende herbeiführt. Wer Twitter, Facebook oder XING nutzt (und in sozialen Netzwerken nicht rigoros hohe Datenschutz-Standards umsetzt), der macht sich mehr und mehr zur öffentlichen Person (ohne dass er das unbedingt will). Damit verliert er dann Schutzrechte. Es soll schon vorgekommen sein, dass sich Boulevard-Medien aus allgemein zugänglichen Quellen Fotos und Infos aus dem Netz holen und groß rausbringen. Dagegen ist dann kein juristisches Kraut gewachsen.

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