Online Reputation: Wer darf welche Bilder veröffentlichen?


In der vergangenen Woche haben wir uns hier in diesem Blog presserechtlichen Fragen vor dem Hintergrund des Online Reputation Management gewidmet: „Was darf über wen geschrieben werden?“ war dabei die zentrale Frage. In diesem Beitrag nun geht es um ein weiteres grundsätzliches Thema im Zusammenhang mit der Online Reputation: Welche Bilder dürfen veröffentlicht werden und wer darf das überhaupt?

Zur Beantwortung dieser Frage gibt es im Wesentlichen zwei rechtliche Gesichtspunkte zu beachten, das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild.

Urheberrecht

Nur, wer ein Bild selbst aufgenommen oder die Rechte zur Veröffentlichung daran erworben hat, darf es auch online stellen. Das heißt, es ist nicht zulässig, einfach Bilder irgendwo im Internet herunterzuladen und zu veröffentlichen. Wer für eine Website Bilder braucht, der kann diese über Bilddatenbanken mit entsprechenden Lizenzen erwerben, bei einigen Datenbanken gibt es Fotos auch kostenfrei.

Immer allerdings muss der Veröffentlichende dabei genau auf die Bestimmungen achten, die von der Bilddatenbank beziehungsweise dem jeweiligen Fotografen festgelegt sind. Diese regeln für gewöhnlich, in welchem Umfang die Bilder veröffentlicht werden dürfen, wie und wo der Fotograf genannt sein muss und wie auf die Bilddatenbank verlinkt werden soll.

Das Recht am eigenen Bild und die Online Reputation

Für das Online Reputation Management entscheidender als das Urheberrecht, ist das Recht am eigenen Bild. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Antwort auf die Frage, ob ein Website-Betreiber, Blogger etc. ein Bild, auf dem eine bestimmte Person drauf ist, einfach veröffentlichen darf, oder nicht – auch wenn er der Urheber ist.

Sei es ein wildes Partyfoto, ein Bild, das eine kompromittierende Handlung zeigt, oder einfach nur eine unvorteilhafte Aufnahme: Es gibt genügend Gründe, warum man im Sinne einer guten Online Reputation nicht möchte, dass gewisse Fotos veröffentlicht werden. Das Recht am eigenen Bild sorgt dafür, dass das in der Regel auch verhindert werden kann.

Grundsätzlich kann sich jeder, der seine Online Reputation schützen möchte, darauf berufen, dass ein Foto, auf dem er eindeutig zu erkennen ist, nur mit seinem Einverständnis veröffentlicht werden darf. Allerdings gibt es hier Ausnahmen und Einschränkungen, die die Veröffentlichung von Bildern zu einem Thema machen, das den Gerichten in Deutschland eine Menge Arbeit beschert.

Die wichtigsten Einschränkungen beziehen sich zum einen auf die Frage, was genau auf dem Bild zu sehen ist, zum anderen auf die Frage, um was für eine Person es sich handelt.

Art des Bildes: Bilder, die eine Menschenmenge in der Öffentlichkeit zeigen – zum Beispiel bei einer Demonstration – dürfen auch ohne ausdrückliches Einverständnis der abgebildeten Personen veröffentlicht werden. Wird allerdings eine einzelne Person per Zoom oder ähnlichem aus dieser Menschenmenge klar hervorgehoben, so sieht die Lage anders aus. In diesem Fall ist wiederum das Einverständnis der Person nötig.

Ohne Genehmigung veröffentlicht werden dürfen Bilder, sofern die Person auf der Aufnahme nur „schmückendes Beiwerk“ ist – eine Definition, die viel Spielraum für Interpretation und Gerichtsverhandlungen lässt. Grob gesagt bedeutet das, dass die Person nur als Randerscheinung zu sehen ist. Ein Beispiel wäre ein in einem Park aufgenommenes Bild mit einem Kunstobjekt im Vordergrund und Spaziergängern entfernt im Hintergrund des Bildes.

Hier spielt auch der öffentliche Raum eine Rolle. Klettert ein Fotograf auf eine Leiter, um über eine Hecke hinweg in einen privaten Garten hinein zu fotografieren, so ist dies natürlich nicht zulässig – auch wenn die Personen auf dem Bild am Ende nur „schmückendes Beiwerk“ sind.

Art der Person: Halt, mag bei dem letzten Beispiel der ein oder andere Leser gedacht haben, was ist denn dann mit all den Paparazzi-Bildern irgendwelcher Promis? Sind die alle illegal? Nein, sind sie nicht, zumindest nicht unbedingt. Denn hier kommt die zweite erwähnte  Einschränkung ins Spiel, die Unterscheidung zwischen Promi und Nicht-Promi.

Juristisch spricht man bei Prominenten von „Personen der Zeitgeschichte“. Dies wird noch einmal differenziert in absolute oder relative Person der Zeitgeschichte. Absolute Personen der Zeitgeschichte sind Berühmtheiten, die auch über ihre eigene Lebenszeit hinaus Bedeutung für die Öffentlichkeit haben, während relative Personen der Zeitgeschichte eher das sind, was allgemein als  Promi bezeichnet wird.

Für sie gelten etwas andere Regeln bei der Veröffentlichung von Bildern, die auch immer wieder neu ausgelegt und umdefiniert werden. Aktuell geht die Tedenz bei bekannten Persönlichkeiten zu einer weniger pauschalen Einordnung als vielmehr einer Differenzierung zwischen der öffentlichen Person – also Auftritten des Menschen in seiner jeweiligen Funktion – und der privaten Person, die mehr geschützt wird. Details zu einer aktuellen Entschiedung diesbezüglich gibt es bei rechtsportlich.net.

In Bezug auf das Online Reputation Management der meisten Menschen allerdings spielen die zuletzt genannten Kriterien kaum eine Rolle. Wichtig sind hier vor allem die Art des veröffentlichten Bildes und die Frage des expliziten Einverständnisses. Für alle, die ihre Online Reputation im Web schützen wollen, ist deshalb wichtig zu wissen: Bilder, auf denen einzelne Personen klar erkennbar abgebildet sind, dürfen nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Person und dem Einverständnis des Urhebers des Bildes veröffentlicht werden.

4 Kommentare

  1. Richard Becker sagt:

    Hallo Frau Deckart, vielen Dank für die hilfreichen Infos. Was ich nur nicht verstehe, die Facebook Fotos hier rechts oben, da kann ich mir kaum vorstellen, dass die alle ihnen ihr OK gegeben haben. Und vom Fotographen fehlt auch das OK.
    „Bilder, auf denen einzelne Personen klar erkennbar abgebildet sind, dürfen nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Person und dem Einverständnis des Urhebers des Bildes veröffentlicht werden.“ so ihr letzter Satz.

  2. Regina Deckart sagt:

    Hallo Herr Becker,
    vielen Dank für die interessante Nachfrage! Soziale Netzwerke wie Facebook sind in der Tat diesbezüglich ein ebenso schwieriges wie noch ungeklärtes Thema. Die grundsätzliche Logik ist aber folgende: Alle die Nutzer, die auf Facebook sind, und ein Profilfoto eingestellt haben, wissen, dass diese Fotos öffentlich zugänglich sind (auch über Suchmaschinen). Wer das nicht möchte, kann nicht auf Facebook sein oder darf kein Profilfoto einstellen. Dass er zur Veröffentlichung dieses Fotos berechtigt sein muss, sollte (!) dabei auch klar sein – in der Realität ist es das aber wohl nicht, da sich viele User darüber ganz augenscheinlich überhaupt keine Gedanken machen (siehe die aktuelle Comicbild-Aktion).
    Was die Abbildung auf unserer Seite betrifft, so sind nur die User auf der Seite zu sehen, die zuvor auf unserer Fanpage den „gefällt mir“ Button geklickt haben, der nach Facebook-Logik impliziert, dass dies auch sichtbar gemacht werden kann. Wie da die Rechtslage wirklich ist, ist meines Wissens noch nicht so ganz geklärt – nicht umsonst ist Facebook immer wieder wegen Datenschutz-Bedenken in den Schlagzeilen.
    Facebook ist also ein Spezialthema, das ich eben aufgrund der noch unsicheren Lage in dem Artikel auch erstmal außen vor gelassen hatte….

  3. Richard Becker sagt:

    Hallo Frau Deckart, vielen Dank für die schnelle Antwort. Diese zeigt, dass Sie sich mit dem Sachverhalt gründlich auseinander setzen wollen.

    Das Problem sind die bei Ihnen (und bei vielen anderen auch sehr bekannten Websites) eingesetzten „Social Plugins“ von Facebook. So führt das Plugin „gefällt mir“ dazu, dass bei einem angemeldeten Facebook-Nutzer dessen Benutzerkennung bereits beim Abrufen der Website mit dem „gefällt mir“-Button an Facebook von Ihrer Website übermittelt wird. Facebook weiß also von jedem angemeldeten Facebook-Nutzer welche Webseiten mit Social Plugins er sich anschaut, egal ob er den „gefällt mir“ überhaupt benutzen will und speichert diese Daten ab. Von den nicht angemeldeten Facebook-Nutzern und von anderen Internet-Nutzern wird „nur“ die IP-Adresse erfasst und abgespeichert.

    Nach Ansicht von Datenschützern ist diese Datenübermittlung nach deutschem Datenschutz-Recht nicht erlaubt. Anders als bei Google Analytics (wo ja „nur“ die IP-Adresse übertragen wird) ist hierfür auf jeden Fall eine Erlaubnis des Nutzers notwendig, der wohl kaum davon ausgehen wird, das Facebook sein Surfverhalten auf Webseiten „überwacht“ und speichert, wo Social Plugins eingesetzt werden. Deshalb empfehlen einige Rechtsexperten den Verzicht auf Social Plugins:
    http://www.lto.de/de/html/nachrichten/1603/facebook-Personenbezogene-Daten-gefaellt-mir-button!/
    Andere halten es für ausreichend, wenn die Datenschutz-Erklärung des Webmasters einen Hinweis auf die „Überwachung“ liefert:
    http://www.thomashelbing.com/de/facebook-social-plugins-datenschutz-bdsg-datenschutzhinweise-privacy-policy-like-button-gefallt-mir
    Eine entsprechende Information fehlt noch auf Ihrer Website. Allerdings halte ich diese sowieso nicht für ausreichend, weil ja der Nutzer diese erst lesen kann, wenn die „Überwachung“ bereits stattgefunden hat.

  4. Regina Deckart sagt:

    Hallo Herr Becker, wir haben uns mit dem Problem bereits auseinandergesetzt und sind auch noch nicht zu einem ganz zufriedenstellenden Schluss gekommen (das PlugIn ist ganz neu bei uns), werden aber dran bleiben!

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